Lesen Sie hier aktuelle Forschungsergebnisse zum Baumfalken (Falco subbuteo). Eingestellt von Klaus-Dietrich Fiuczynski, Autor des NBB-Bandes 575 - Der Baumfalke (hier können Sie das Buch bestellen).
1. Der Baumfalke in der modernen Kulturlandschaft
Klaus Dietrich Fiuczynski*, André Hallau, Volker Hastädt, Silvio Herold, Günter Lohmann, Bernd-Ulrich Meyburg, Christiane Meyburg & Paul Sömmer
Berliner Naturschutztag, 28.2.2009
2008 brüteten zwei Baumfalkenpaare in Berlin – an entlegenen Waldlichtungen im Forst Köpenick und im Forst Düppel, gegenüber z.B. 31 Paaren in den Berliner Stadtforsten im Jahre 1960! Die Nahrungsliste weist Haussperlinge, Mauersegler und entflogene Wellensittiche auf, und auch Sichtbeobachtungen zeigen, dass das bebaute Stadtgebiet Jagdrevier für den Baumfalken ist.
Im Berliner Umland werden jährlich zwischen 35 und 40 Reviere auf rd. 3.300 bzw. 4.000 km² untersucht, die Siedlungsdichte lag in den letzten Jahren zwischen 1,0 und 1,3 Paaren/100 km².
Der starke Bestandsrückgang in den letzten 30-40 Jahren ist nicht auf Berlin beschränkt, in einem langfristig untersuchten Gebiet zwischen Oranienburg und Bernau ist ein ähnlicher Rückgang zu verzeichnen.
Das Ursachengefüge ist komplex: Habitatveränderungen, Nestangebot, Feinddruck spielen eine Rolle. Kunsthorste können lokal bestandserhaltene Funktion haben, ferner schließen sie das Risiko „Bindegarnunfall“ aus. Besonders die geringen Brutergebnisse gegenüber den 1950/1960er Jahren geben Anlass zur Sorge: Die Fortpflanzungsziffern (flügge Junge/territoriales Paar) sanken von 1,9 Junge (1956-1972) auf 1,3 Junge, in den letzten Brutzeiten (2007/2008) auf 0,9 bzw. 1,1 Junge!
Wir hoffen, dass sich der Baumfalkenbestand in unserem Untersuchungsgebiet wenigstens auf dem gegenwärtigen niedrigen Niveau stabilisiert. Eine neue Entwicklung, das Brüten in Krähen- und Rabennestern auf Hochspannungsmasten, bringt hingegen erfreuliche Ergebnisse: Die Paare in den Masten haben deutlich bessere Brutergebnisse als die Paare am Waldrand oder in Feldgehölzen.
Da die Situation in den afrikanischen Durchzugs- und Überwinterungsgebieten völlig unbekannt ist, wurde erstmalig in Deutschland ein Baumfalkenweibchen mit einem neuen, 5 g schweren Sender versehen und liefert ausgezeichnete und überraschende Ergebnisse (hier geht`s zum Poster).
Mit Unterstützung der Stiftung Naturschutz Berlin, der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, der WWGBP, der AQUILA e.V. und der Obersten Jagdbehörde des Landes Brandenburg.
* Westfalenring 26, 12207 Berlin. E-mail: Falco.subbuteo@web.de
2. Geburtsorttreue und Habitatpräferenz beim Baumfalken (Falco subbuteo)
Klaus Dietrich Fiuczynski, Berlin (E-Mail: klaus_fiuczynski@yahoo.de)
Jahrestagung der ABBO, 28./29.November 2009, in Blossin
Wie viele Greifvogelarten sind auch Baumfalken ortstreu. Man unterscheidet zwischen Geburtsortstreue, Rückkehr und Wiederansiedlung am Geburtsort und Brutortstreue, Festhalten am einmal gewählten Brutort. Dazwischen liegen beim Baumfalken transäquatoriale Wanderungen ins afrikanische Winterquartier. Hier hat die Individualkennzeichnung nestjunger Baumfalken im Berliner Raum einen aktuellen Nachweis in der Brutzeit 2009 erbracht (hier geht`s zum Poster).
3. Vom Feldgehölz zum Hochspannungsmast - neue Habitate des Baumfalken (Falco subbuteo) in Brandenburg
Fiuczynski, K.D., V. Hastädt, S. Herold, G. Lohmann & P. Sömmer (2009): Vom Feldgehölz zum Hochspannungsmast - neue Habitate des Baumfalken (Falco subbuteo) in Brandenburg. Otis 17: 51-58.
Zunehmend brüten Baumfalken in Corvidennestern auf Hochspannungsmasten. Eine Auswertung von Beobachtungen und Horstinspektionen an 35 Paaren in Masten im Vergleich zu 120 BaumbrüterPaaren in Berlin und im Berliner Umland ergab hochsignifikante Unterschiede im Bruterfolg: 69 % der Mastbrüterpaare brachten flügge Junge hoch, dagegen 41 % bei den Baumbrütern. Bezogen auf alle untersuchten Paare, erfolgreiche wie erfolglose, ergab sich eine Fortpflanzungsziffer von 1,6 Jungen/Paar bei den Mastbrütern, dagegen 1,0 Jungen/Paar bei den in Feldgehölzen und an Waldrändern brütenden Baumbrütern. Diese Befunde stimmen mit den Feststellungen von W. Kirmse und G. Klammer aus dem Leipziger Raum bzw. SachsenAnhalt (19982007, n = 60 Paare) überein. Der niedrige Bruterfolg der Baumbrüter findet sich auch in der Niederlausitz (S. Herold, 20022005, n = 63). Die erfolgreichere Nutzung des Corvidennestangebotes in Hochspannungsmasten im Vergleich zu den im klassischen Habitat „Feldgehölz/Waldrand“ brütenden Baumfalken soll künftig genauer untersucht werden. Individuell markierte Nestlinge und Wiederbeobachtungen nach Rückkehr in die Umgebung des Geburtsortes können Aufschlüsse über die spätere Habitatwahl geben.
Lesen Sie hier die Untersuchung von Fiuczynski et al. als pdf.
Zitierhinweis:
Dieser Artikel ist wie folgt zu zitieren:
Fiuczynski, K.-D. (2010): Online-Supplement Nr. 1/2010 zum NBB-Bd. 575: Der Baumfalke. Westarp Wissenschaften, Brehm-Space <http://brehmspace.de>.